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aktualisiert am: 13.4.2017 

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Segelschulschiff “Gorch Fock I”

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Nach der Teilnahme an dem minisail-Treffen am Bernsteinsee haben wir , Marion und Willi Hoppe , beschlossen, gleich weiter zur Insel Rügen zu fahren, da wir uns ja schon auf dem halben Weg befanden. Hier im Stralsunder Hafen entdeckten wir dann die erste Gorch Fock und bei der folgenden Besichtigung konnten wir auch etliches über das Schiff erfahren:

1.) Am 2. Dezember 1932 erhielt die Werft Blohm & Voss den Bauauftrag für ein neues Segelschulschiff unter der Zusicherung das Schiff in 100 Tagen vom Stapel zu lassen.

Die Kiellegung erfolgte am 14.01.1933 und am 3.05.1933 erfolgte der Stapellauf des Schiffes. Es wurde auf den Namen „Gorch Fock“ getauft als Ehrung des niederdeutschen Schriftstellers Johann Kinau der unter dem Pseudonym Gorch Fock, Bücher über die Seefahrt schrieb.

Mit der Indienststellung übernahm am 27.06.1933 die Reichsmarine das Schiff als Segelschulschiff zur Ausbildung für Seekadetten und Unteroffiziersschüler. Die Ausbildung verlief hauptsächlich küstennah in der Nord- und Ostsee. Aber auch eine Fahrt nach England und Norwegen, sowie 1939 eine Überseefahrt in die Karibik wurde gemacht. Der 2. Weltkrieg setzte den Fahrten jedoch ein Ende. Sie diente dann noch als Ausbildungsschiff, lag jedoch meist auf Reede um Rügen und im Hafen von Stralsund. Nach ihrer Außerdienststellung wurde das Schiff vor der Halbinsel Drigge (Rügen) am 1.05.1945 in 10 m Wassertiefe durch eine Sprengladung versenkt, um es vor dem Zugriff der Sowjets zu schützen.

2.) Im Frühjahr 1946 befahl die Sowjetische Kommandantur die Bergung zahlreicher Wracks um Strahlsund. Ein wichtiges Objekt war auch die Gorch Fock, als Reparationsleistung. Die Bergung übernahm die Firma Staude für einen Auftrag von 500 000 RM. Das Wrack ragte noch mit dem Bug unter 15° Neigung aus dem Wasser und konnte betreten werden. Von Tauchern wurde zuerst das Ankergeschirr entfernt. Die weitere Untersuchungen ergaben unter der Wasserlinie backbords zwei Löcher ca. 2,3 x 1,6 m groß. Außerdem wiesen die Aufbauten und das Schanzkleid zahlreiche Einschüsse auf. Das stehende Gut war noch fast vollständig erhalten. Zur Bergung wurden die Leck’s mit Patsches abgedichtet und alle Niedergänge Schächte und Bulleyes verschlossen. Zusätzlich wurden Lenzschächte angebracht auf denen Pumpen installiert waren. Für das Halten des aufschwimmenden Schiffes wurden ein altes Tankschiff, ein Tonnenleger und eine Schute vertäut. Der erste Hebeversuch durch auspumpen löste das Schiff nur vom Schlick und ließ das Heck um ca. 1,5 m ansteigen.

Bei dem zweiten Versuch wurden 3 weitere Schuten abgesenkt, an das Schiff vertäut und leergepumpt. Hierdurch kam das Schiff dann frei, aber durch den Bruch eines Schotts senkte sich der Wasserstand nicht, trotz intensives Auspumpens - weil ein Bullauge gebrochen war -wie man später feststellte. Erst mit dem vierten Hebeversuch durch ausblasen der Pontons gelang es das Schiff frei zu bekommen. Mittels Schlepper wurde es zur Volkswerft verholt. Hier wurden erste provisorische Reparaturen und die Generalreinigung durchgeführt. Im Herbst 1947 kam die Bark zur Instandsetzung nach Rosstock auf das Dock der Neptunwerft. Zur weiteren Instandsetzung wurde das Schiff dann nach Wismar verlegt. 1949 kehrte es dann wieder nach Rosstock zurück ins Dock. Hier erfolgte die Endausrüstung und wurde dann für die sowjetische Handelsflotte unter dem Namen „Towarischtsch“ 1951 in Dienst gestellt.

3.)Mit Beginn der 60er Jahre unternimmt das Schiff ausgedehnte Reisen mit Studenten der Handelsflotte der UdSSR und legt dabei ca. eine halbe Million km zurück. Länder in Südamerika, Afrika und fast alle Europäischen Länder werden besucht. 1992 gelingt es zum erstenmal das Mitglieder von „Tall-Ship Friends e.V.“ im Columbus-Race ( von Genua nach Candiz, Puerto Rico, New York, Boston und zurück nach Europa) mitsegeln können. 1993 sponsert der Verein eine neue Hauptmaschine und Jugendliche aus Newcastle können beim Cutty Sark Tall-Ship Race von Newcastle nach Bergen mitsegeln. 1994 wollen die Newcastler wieder Jugendliche auf die Towarischtsch mitsegeln lassen, aber die Bark hat nur noch eine Zulassung für kleine Fahrten im Schwarzen Meer. Daraufhin führen die Engländer Gespräche über die Finanzierung der Reparaturen unter der Bedingung das die Bark einmal jährlich Newcastle anläuft und Jugendliche mitreisen können. Unter diesen Voraussetzungen läuft das Schiff unter Maschine nach Newcastle und trifft dort am 16.05.1995 ein. Am 12.06. wird das Schiff endlich eingedockt. Die ausführliche Untersuchung durch Lloyds Inspektors fallen nicht gut aus. Die Reparaturkosten werden auf ca. 4,4 Mio. DM geschätzt. Da der Sponsor aber nur 1 Mio. zur Verfügung stellen konnte zog er sein Angebot zurück. Daraufhin verhängt die englische Aufsichtbehörde ein absolutes Betriebsverbot. Da das Schiff nicht im Dock verbleiben kann, wird schnell noch ein Unterwasseranstrich durch die Mannschaft vorgenommen und das Schiff nach Northshield ins Dock gebracht. Hier beginnt eine lange Wartezeit mit Ausmusterung der Mannschaft und Hoffnung auf Hilfe der Tall-Ship Friends. Dann wird die Towarischtsch nach Middlesbrough verholt, hier soll eine Werft für Traditionsschiffe gebaut werden. Doch die Werft wird nicht gebaut und die Bark liegt fast 4 Jahre in einem verlassenen Hafenbecken. Von einer 10 köpfigen Restbesatzung wird sie mit Farbe instand gehalten.

4.) Verhandlungen der Tall-Ship Friends mit dem Schiffseigner in der Ukraine und der Stadt Wilhelmshaven führen dazu, das dass Schiff zur EXPO 2000 nach Wilhelmshaven geschleppt wird. Hier erhofft man sich auch dann genügend Sponsoren für eine Reparatur. Doch die großen Gelder bleiben aus und die vorhandenen Spendengelder sind schnell durch die Liegekosten verbraucht. Wegen eines Wassereinbruchs im Maschinenraum wird die Towarischtsch an den Kai des Marinemuseums verlegt. 2003 ist das Schiff von der Firma Lipodar auf Zypern von der Ukraine zwecks Weiterverkauf übernommen worden. Der Preis soll jetzt 1Mio € betragen. Wegen Zusagen der Stadt Stralsund über einen kostenlosen Liegeplatz soll das Schiff in Stralsund vor Anker gehen. Doch eine Schleppgenehmigung wird vorerst versagt, weil im Heck des Schiffes Wasser steht, also muss das Schiff erst einmal wieder ins Trockendock. Nach vielen Verhandlungen und Ablehnungen will die Volkswerft in Stralsund die Reparatur übernehmen. Da aber das Schiff ein Schleppen womöglich nicht überlebt, soll es auf ein Dockschiff. Kosten ca. 100000 € sind von der Fa. Lipolar wahrscheinlich als Preissenkung übernommen worden? Nächstes Problem: das Dockschiff kann nur 4,7 m Tiefgang laden. Also muss der Tiefgang von 5,4 m entsprechend verringert werden, das sind bis zu ca. 400 t Ballast. Inzwischen ist der Kaufvertrag abgeschlossen und das Schiff aus dem Ukrainischen Schiffsregister gestrichen. ( Kaufpreis 500000 € ?) Zur Eindockung wird das Schiff wieder an den Stadthafenkai geschleppt wo der Ballast und alles untaugliche ausgebaut wird, ebenfalls werden die Masten gekürzt wegen der geringen Durchfahrtshöhe im Nord-Ostsee-Kanal. Am 24. September verlässt das Transportschiff endlich Wilhelmshaven, es geht durch den N-O-Kanal Richtung Stralsund. Hier wird es am 7.10.2003 nach 8 Jahren in der Volkswerft aus dem Wasser geholt. Eine große Reinigung steht an wobei ca. 10 cm Muschelbelag entfernt werden müssen. Eine Schallung ergibt, das ca. 26 m² Stahlplatten am Rumpf erneuert werden müssen. Hierzu mussten die Räume gesäubert und alten Geräte entfernt werden. Danach erhält das Schiff einen neuen Farbauftrag. Fast 50 freiwillige Helfer habe am Aufbau mitgearbeitet. Ein Riggerteam aus Gdansk setzt wieder die Masten. Dann am 29.11.2003 wird das Schiff an seinem jetzigen Liegeplatz „Ballastkiste“ in Stralsund gebracht und auf seinen alten Namen getauft mit dem Spruch: „Ich wünsche dir ein langes Schiffsleben und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. Ich taufe dich auf den Namen „ GORCH FOCK“.

5.) Aber damit war das Schiff noch lange nicht fertig. Freiwillige Helfer räumen weiter das Schiff aus. Alle Einbauten werden entfernt und teilweise ersetzt. Auch auf Deck sind viele Änderungen und Erneuerungen fällig, denn das Schiff soll in dem Zustand von 1932 zurückversetzt werden. 2006 haben freiwillige Helfer ca. 6000 Arbeitsstunden geleistet und an Material sind ca. 750000 € verbaut worden. Die meisten Spenden sind von den Tall-Ship Friends geleistet worden. Im Oktober 2008 kam die Gorch Fock zur Sanierung des Unterwasserschiffs und zur Erneuerung der Schwimmfähigkeit erneut auf der Volkswerft ins Trockendock. Nach Reinigung und Dickenmessung der Außenhaut wurden alte Stahlplatten durch neue ersetzt. Die Salzgitter A.G. spendete für die Reparatur 200 m² Schiffbaustahl. Die Hamburger Firma Jastram spendierte ein neues Bugstrahlruder und 600 kg Farbe kamen von der Firma SAP aus Österreich. Viele große und kleine Spenden sind weiterhin nötig, bevor das Schiff klar ist und auf „Große Fahrt“ gehen kann. So ist die Takelage zu überholen, die Holzdecks zu ersetzen, Sicherheitsausrüstungen zu beschaffen, ein neuer Hilfsmotor und vieles mehr.

Schiffdaten Gorch Fock I : Bauwerft Blom + Voss Hamburg Baunummer 495;

Stapellauf 3.05 1033; Vermessung 1330 t; LÜA 82 m; Breite 12 m; Tiefgang 5,2 m

bei 1545 t; Seitenhöhe 7,3 m; Masthöhe 42 m; Segelfläche 1797 m²; Anzahl Segel 23.

Vier Schwesterschiffe der Gorch Fock sind noch in Dienst: EAGLE (USA) ex. Horst Wessel 1936 B+W; SAGRES (Portugal) ex. Albert Leo Schlageter 1937 B+W; MIRCEA (Rumänien) 1939 B+W; GORCH FOCK II (D) 1958 B+V.

Info nacherzählt aus der Infoschrift der Gorch Fock 1 erworben auf der Gorch Fock

Und für meinen Plastikbaukasten der Towarischtsch suche ich noch einen Liebhaber!

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