emblem

www.minisail.de

 

Willkommen bei der Interessen-Gemeinschaft mini-sail

 

Philomena

Philomena

ein “Versuchsbau” von Detlef Vonsien

  Rauf und runter: Die Segel setzen. Das wäre doch mal eine Herausforderung für mich. Zumal in meinem Maßstab. Auf wesentlich größere Schiffchen habe ich es schon gesehen, zumindest konnte das eine oder andere Segel gesetzt werden. Mein Gedanke war es, ein Gaffelsegel zu setzen und auch wieder fallen zu lassen, mit einer Winde. Und nun höre ich schon lautstark, das es nicht geht, wegen dem Gaffelbaum, der in einem gewissem Winkel angestellt werden muss. Sage wir mal so, es funktioniert. Auch mit nur einer Winde. Man(n) muss nur etwas überlegen. Gut, hat schon einige Stunden gedauert. Aber welches Schiff baue ich für diesen einen Gedanken um? Keines. Ich baue einfach ein neues. Ein Blick in das Regal, wo mein Rumpf- Vorrat lagerte und schon war auch schon entschieden welcher Rumpf es diesmal sein sollte. Wieder ein Rumpf aus der Günter Seifert Serie. Eine “Passart". Satte 900 mm lang. Da passt doch einiges rein. Das dicke Holzdeck wurde mit dem Cuttermesser vom Rumpf getrennt und dieser wieder in einigen Stunden nass abgeschliffen, bis ich einen strahlend weißen Rumpf in den Händen hielt. Ein neues Deck aus Balsaholzresten war schnell angepasst, um schnell wieder etwas Stabilität in den Rumpf zu bekommen. So und was für einen Aufbau soll es diesmal sein? Wieder Blicke ins Regal, aber zu den fertigen Schiffchen. Hmmmm? Warum nicht wieder ein Aufbau wie ihn "Fiorella" hat? Sie segelt echt gut und sieht auch noch gut aus. Ja, liegt im Auge des Betrachters. Niemanden muss meine Schiffchen gefallen, aber mir um so mehr.

  Philomena: Das Deck wurde mit Abachileisten belegt. Königsleiste und Aufbau sind aus Mahagoni-Leisten, die noch vorhanden waren. Die Aufbauleisten musste ich noch etwas mit dem Lötkolben umformen, da der Aufbau zum Bug hin spitz wird. Also nichts neues. Der Plichtboden sollte auf jedenfall herausnehmbar sein, weil das kleine Servo für das Ruderblatt dort seinen Platz finden sollte. Und die Winde für die Backtage. Einfach Leisten für den Boden zu verlegen, hätte sicherlich nicht so viel Zeit in Anspruch genommen, als eine Windrose. Aber es musste so sein. So vergehen die Stunden. Aus diversen Aluresten habe ich mir einen Leistenschneider gebaut, um die Leiste entsprechend im Winkel schneiden zu können.

Die Seitenwände der Plicht sollte auch nicht einfach nur eine Kiste sein. Nein, vier kleine Schränke mit Türen sollten her und diese zum öffnen. In einer ist nun der On/Off Schalter untergebracht. In der zweiten ist eine Spannungsanzeige für die Elektronik, mit Mikroschalter, der beim schließen der Tür ausgeschaltet wird. In den anderen beiden Schränken ist Kleinkram für die Mannschaft untergebracht, wie Rettungswesten, Rettungsringe und sonstiges.

Steuerrad oder Pinne, das war nun die Frage aller Fragen. Eine Pinne hatte ich noch. Aus Plastik. Nee gefiel nicht wirklich. Aus Holz machen, oder doch Steuerrad? Habe noch eines gefunden. Gefiel auch nicht so richtig. Da ich natürlich über einer Drehmaschine und einen Teilkopf verfüge, habe ich mir ein Steuerrad gebaut. Die Holme hatte ich noch gefunden. Ja, das Steuerrad sollte sich auch diesmal mit drehen lassen. Ist irgendwie zur Marotte geworden. Leider ist mir nichts besseres eingefallen, als dieses mal ein weiteres Miniservo zu benutzen, das  parallel zum Ruderblattservo mitläuft

teilkopf
steuerrad

Das Dach ist natürlich zum herausnehmen, um in´s innere zu kommen. So weit so gut. Ab in die Garage zum schleifen und für den ersten Klarlack. Die ersten Schichten waren gut, doch dann am nächsten Tag kam der Schreck. Das Schiff stand nicht mehr auf den Tisch. Es lag auf den Boden, mit erheblichen Schäden. Es stand auf dem Tisch und lehnte mit dem Heck an der Garagenwand. Die Garage vom Nachbarn ist gleich neben meiner. Und wenn da schon mal die Fetzen fliegen, werden auch Türen geschmissen und Schiffe rutschen vom Tisch genau auf die Bugspitze. Das Deck war einmal ringsherum ausgebrochen. Zum Glück war das Gegengewicht noch nicht eingeklebt. Da sehe die Sache sicherlich ganz anders aus. Alles wurde geklebt und nochmals geschliffen und nochmals Lackiert. Nun sieht man nur noch eine kleine Narbe, wenn man weiß wo. Weiß sollte das Schiffchen werden und das Unterwasserschiff blau. Also weiß gesprüht und den Wasserpass wie immer nach Augenmaß angezeichnet, ab geklebt und die blaue Farbdose gut geschüttelt. Noch die Kappe entfernen und schon sah ich wie der Sprühkopf zu Boden fiel und unter dem Regal verschwand. Hm? Nicht schlimm. Das Ruderblatt war sowieso schon schwarz, also warum nicht auch das Unterwasserschiff? Gesagt, getan.

einsicht

Und nun zu den Innereien. Die Segel sollten zum setzen sein. Soviel stand fest. Also sollte auch ein kleiner Motor rein. Ein ganz kleiner und eine ganz kleine Welle und ein ganz kleiner Propeller. Welle, Propeller und Motor waren noch da, aber wo? Wer sucht der findet. Das Stevenrohr passte perfekt und die 2mm Welle musste um einiges gekürzt werden. Eine Kupplung fand ich auch. Mehrere sogar. Toll. Aber keine lief rund. Habe eine neue bestellt, aber auch die eierte wie wild. Sch.... Die Welle lief der Motor auch, glaubte ich zumindest. Habe den Motor zerlegt und siehe da, ein Lager ist ausgeschlagen. Neuen Motor bestellt. Natürlich war der Motor gut, doch nicht das gelbe vom Ei. Er hatte genug Drehzahl, ließ sich aber schlecht regeln. In den tiefen meiner Sammlungen habe ich einen andere Motor gefunden, der sich gut von Null hoch regeln lässt. Der Regler piepte nervig. Auch neu. Beim aufschrauben des Propellers wieder ein Tiefschlag. Er ist einfach gebrochen. Nun habe ich einen in Reserve, der in einem der vier Schränke untergebracht ist.

Der Mast sollte sich umklappen lassen und die Winschen, die die Segel hoch und runter ziehen, sollte im Mastfuß sein. Zwei kleine Getriebemotoren, mit einer Untersetzung von 141:1 waren nicht die richtige Wahl, doch umsonst. Sie stammen aus Höhenmessgeräten, mit denen ich mich den ganzen Tag beschäftige. Sie werden mit 6 Volt betrieben, bekommen aber 7,4 Volt, um etwas schneller zu laufen. Tun sie aber nicht. Die Fock wird nun von einem Miniservo hoch und runter gezogen, welches zur Winde umgebaut ist. 1,9 kg reichen vollkommen aus. Eine Rutschkupplung stoppt alles. Die beiden Winschen haben einfach eine andere Aufgabe bekommen. Eine setzt nun meine Gastlandflagge und die andere einen Signalkörper. Da schon alle 10 Kanäle vom Empfänger belegt waren, muss ich den Wimpel von Hand setzen. Soweit die Theorie. Die Rutschkupplung funktioniert soweit ganz gut, doch nicht wie ich es gerne hätte. Endwerder zu weich, oder zu hart eingestellt. Kommt wieder raus und Endschalter rein. Das Großsegel wird von einer zerlegten Segel Winde bedient. Also Elektronik raus, weil sie im Stillstand laut knurrte und Endschalter ins Schiff. Sie läuft fast schon zu schnell, aber gut durch.

Die Segel sind aus Nesselstoff. Genäht mit meiner alten Nähmaschine, die einige Jahre in der Ecke stand. Sie musste ich erst mal zerlegen und wieder zum laufen bringen, weil sie verklebt war. Total verharzt. Das Großsegel war schnell genäht und passte auf Anhieb, doch die Fock musste ich zweimal nachschneiden, bis es gefiel. Die beiden Segelwinden sind wieder kleine Miniservos, deren Poti ich entnommen habe und gegen ein Spindelpoti ersetzt habe. 1,9 kg hört sich nicht viel an, doch für meine kleinen Schiffchen reicht es vollkommen aus. 

Fiorella 2

Fiorella

windrose

Windrose im Plichtboden

bug
winde
winde2

Philomena sollte mit zu einem Treffen in die Schweiz, doch ich habe sie nicht fertig bekommen, also blieb sie zu Hause. Seit dem stand sie auf den Regal, fast ein Jahr, bis es dann doch noch am 25.10.2020 zum Mini-Sail-Treffen nach Köln ging. Mein erster Ausflug in diesem Jahr.

Alle, fast alle meine Schiffchen passen Aufrechtstehen ins Auto, doch Philomena nicht. Aber daran habe ich gedacht. Brauche nur zwei Hacken aushängen und schon kann der Mast umgelegt werden.

Philomena wurde von Willi Hoppe zwar getauft, doch im Wasser war sie nicht. Wollte nichts riskieren, da ich nicht wusste, wie Philomena reagiert und sie ist mir doch zu schade, obwohl sie nur gebaut wurde, um zu testen, ob ich die Segel rauf und runter bekomme, in meiner Baugröße. Sicherlich ausbaufähig, aber es funktioniert.

Natürlich habe ich wesentlich mehr Bilder von Philomena, doch alle hier zeigen zu können, ist leider nicht möglich. Wer sie dennoch sehen möchte, der möge sich melden. Ansonsten war es das erstmals bis zum nächsten Bericht. Vielleicht von “MERLE” ? Zumindest wurde sie auf einem Minisail-Treffen 2019 zum schönsten Schiff gekürt.

 Detlef Vonsien

winde3

Mastlager